Norwegen 2012

Norwegen - Segeln in Fjorden und hellen Nächten

Nach der erfolgreichen Wasserung und Taufe unserer SY MARIPOSA im letztem Jahr, stand nun der erste längere Erprobungstörn an. Da wir schon mit unserem kleineren Schiff immer gern in Skandinavien waren, lag es auf der Hand, dass es wieder in den Norden gehen soll. Allerdings nun auf eigenem Kiel.

Hier unser Bericht mit Fotos und einigen Videos:

14. Mai 2012, 06.15 Uhr Leinen los in Wismar:

Nachdem wir die westliche Ostsee und den Kattegat in nur fünf Tagen hinter uns gelassen hatten, lagen wir in unserem erstem Zwischenziel Skagen (Nordspitze von Jütland – Dänemark). Vor Jahren waren wir mit dem Wohnmobil hier und träumten davon, einmal mit eigenem Schiff hier im Hafen liegen zu können. Ein richtiger Hochseehafen mit vielen Fischtrawlern, Werften und Yachten aus vielen europäischen Ländern. Skagen, wo die Nordsee mit der Ostsee zusammenstößt und eigenwillige Wellenformationen bildet, ist aber auch für das besondere Sonnenlicht bekannt.

Hier in Skagen wollten wir auf gutes Wetter für die Querung des Skagerraks warten, aber die Vorhersagen mit bestem Ostwind zwischen 4 und 5 Beaufort ließen für uns nur einen knappen Ruhetag zu. Abends, kurz vor 19.00 Uhr ging es los, denn wir wollten die Nacht für die Überfahrt nutzen und somit sicherstellen, dass wir bei gutem Tageslicht in die Südnorwegischen Schärenwelt eintauchen können. Da wir Neumond hatten und klarer Himmel vorausgesagt wurde, freuten wir uns auf einen tollen Sternenhimmel in der Nacht, aber denkste, fast keinen Stern am Himmel zu sehen, weil die Sonne den nördlichen Himmel in einen diffusen, aber schönen gelb-rötlichen Lichtschein hält.

22. Mai 2012, 08.55 Uhr Anker fällt in der Bucht bei Grimstad (Norwegen):

Norwegen, wir sind da! Müde, aber überglücklich über unsere - „so gefürchtete“ – Überfahrt, fallen wir in unsere Koje. Das Land mit viel Schnee, Kälte und Sturm - alles Quatsch! – empfängt uns mit sommerlichen Temperaturen und strahlendem Himmel. Kurze Hosen und T-Shirt suchen, die liegen nämlich in den Schränken ganz hinten. Anbaden bei 18 ° C Wasser und das in Norwegen, kein Witz. Dieses Sommerwetter soll uns noch in den nächsten Tagen begleiten.

29. Mai 2012, 12.10 Uhr passieren Kap Lindesnes (süd-westlichster Punkt Norwegens):

Haben viel über dieses Kap gelesen, meist nichts Gutes. Wetteränderung, Strom meist aus N, hohe Wellen, Schiffsfriedhof, wenig Nothäfen usw. Hatten schon am Vorabend versucht, das Kap zu runden, waren aber über die plötzliche Wellenhöhe bei nur 4 Bft. so überrascht, dass wir beschlossen, wieder abzudrehen, einen sicheren Ankerplatz zu suchen und es am nächsten Tag nochmals zu versuchen. Nun, blauer Himmel, immer noch 4 Bft., aber jetzt aus SO machen die Rundung zum Kinderspiel. Entlang erster großer Felsformationen, aber in sicherer Entfernung, zieht es uns nach Norden.

Wetterberichte sagen für die nächsten Tage 5 bis 8 Bft. aus N bis NW voraus. Eigentlich für unser starkes Schiff, was für alle Weltmeere gebaut ist, sollte dies kein Problem sein – so unser Fehlglaube. Wir laufen als letztes Schiff spät abends in Egersund ein. Kleine Stadt mit tollem Segelverein, aber ansonsten nichts Besonderes. Wir wundern uns allerdings über die kleine Armada ausländischer Yachten, die sich hier versammelt haben. Begrüßt werden wir mit den Worten: na, noch rechtzeitig Schutz gesucht? Naja, hatten draußen bei 5 Bft. schon eine Zweimeterwelle gegen an, nicht gemütlich, aber machbar. Wir lassen uns aufklären, dass bei dieser vorhergesagten Windrichtung und –stärke kein Segeln möglich ist. Wir wissen, dass der nächste Hafen erst bei Stavanger liegt und das sind fast 40 sm und wir bis dahin auf uns selbst angewiesen sind. Ok, keine Frage für uns, aus 40 sm gegenan werden schnell 60 bis 70 sm und das bei Wellen zwischen 3 – 4 Metern. Wir bleiben natürlich auch hier. Allerdings ist das Wetter hier an der Westküste Norwegens wohl etwas schwerer voraus zu sagen. Aus anfänglich einem Ruhetag werden dann 5 Tage (!) und wir verpassen die Abholung unseres Sohnes Maik, der zwischenzeitlich in Stavanger gelandet ist und mit dem Zug zu uns kommen musste. Nach Tagen bekomme ich (Dirk) fast einen „Hafenkoller“. Wir beschließen auszulaufen, zumal bereits eine deutsche und eine polnische Yacht raus sind und nun auch noch ein französischer Trimaran den geschützten Sund verlässt. Hier im Sund weht der Wind auch nur noch mit einer 4, das sollte gehen. Draußen auf See, Wellen von 3 bis 4 Meter, Wind aus NW mit 6, in den Böen von 7 Bft. und ein Strom genau aus N, wo wir hin wollen. Nach mehr als drei Stunden haben wir 8,5 sm in Richtung Norden geschafft. Bleiche Gesichter lassen ahnen, dass wir die Seekrankheit an Bord haben. Nein, so schaffen wir das nicht, wir laufen ab in einen großen Fischereihafen für Trawler, der kurz über den Egersund liegt. Und, wir sind hier nicht allein. Eine deutsche und eine polnische Yacht liegen hier bereits und auch der Tri aus Frankreich ist da. Ok, wir haben Erfahrungen gesammelt, ist eben ein Erprobungstörn.

06. Juni 2012, 3.26 Uhr Anker fällt auf Position 59°03,1 N und 5°24,56 E – Insel Kvitsoy:

Was für eine Nacht! Nachdem sich das Meer endlich beruhigt hat, sind wir auf der Höhe von Stavanger angekommen. Mond spiegelt sich in der glatten See und die Sonne wirft ihre rot-violetten Strahlen über den nördlichen Horizont in den Himmel und lässt kein „Nachtsegeln“ zu. Es wird nicht mehr richtig dunkel. Einen sicheren Ankerplatz zwischen den engen kleinen Felsen zu finden, ist bei diesem Licht nicht schwer. Wir sind von diesem Licht schwer beeindruckt und können noch lange keine Ruhe finden.

Ab jetzt verlassen wir die offene See bzw. den Küstenbereich und tauchen in die traumhafte Welt der Fjorde mit schneebedeckten Bergen, mit Wasserfällen, einer unendlich grünen Natur und wenigen Menschen ein. Ankern, Angeln, segeln kurze Schläge zu einer neuen Bucht. Segeln in den Maurangerfjord, einem Seitenarm des Hardangerfjordes und liegen in Sundal vor einem Gletscher. Ein kleiner Traum geht in Erfüllung!

Motoren, wegen Windmangel, im Lysefjord an dem Felsplateau Prekestolen vorbei und fühlen uns später so klein, als wir an Felswänden mit über 1000 m Höhe vorbei fahren, neugierig beäugt von zahlreichen Seehunden.

12. Juni 2012, haben den nördlichsten Punkt (südlich Bergen) unserer Reise erreicht:

Es geht wieder nach Süden, leider. Aber unser Sohn muss wieder seinen Flieger bekommen und in vier Wochen wollen Freunde in Oslo an Bord kommen.

In Stavanger liegen wir genau im Stadtzentrum an der Partymeile und es ist Sonnabend. Kulturschock, so viele Menschen ….., dass reicht wieder für die nächsten Wochen. Das Wetter meint es gut mit uns, segeln entlang der berüchtigten Westküste viel mit unserem 145 qm großen Genacker und haben viel Zeit für die kleineren Fjorde, Wanderungen an Land und zum Kennenlernen der überaus freundlichen Norweger.

Besichtigen das Leuchtfeuer vom Kap Lindesnes mit dem Leuchtfeuermuseum und erfahren, dass mit über 500 Jahren dies das älteste Leuchtfeuer Norwegens ist. Übrigens gibt es hier tatsächlich noch einen richtigen Leuchtturmwärter. Das Museum macht’s möglich. Weiter geht es wieder in die Südnorwegischen Schären und pünktlich mit unserem Eintreffen haben wir wieder „Kurzehosenwetter“. An dieser Stelle wollen wir nur einmal kurz erwähnen, dass wir die gesamten 3 Monate nicht einen Regentag auf See hatten, kaum zu glauben aber wahr!

Erleben im Hafen von Risör, wie ausgelassen und laut die Norweger feiern können. Wir können erst morgens um 06.30 Uhr endlich einschlafen, aber nicht einer der anderen Hafenlieger regt sich auf. In Deutschland wäre sicher schon eine Hundertschaft der Bereitschaftspolizei im Einsatz gewesen.

13. Juli 2012, 14.34 Uhr, legen im Zentrum von Olso (Pipervika) an:

Mitten im modernen Zentrum von Olso zu liegen, hat schon was, ist aber sehr teuer! Unsere Freunde kommen an Bord und segeln nun in den nächsten 14 Tagen mit uns nach Göteborg. Nach drei Tagen im Olsofjord sind wir in Frederikstad und verlassen kurz darauf Norwegen. Damit verlässt uns aber auch der Wind. Dafür Hochsommer in den westschwedischen Schären. Hier kennen wir uns recht gut aus, allerdings vollkommen neu für uns: ganz Schweden hat Ferien und es scheint so, als ob alle Schweden hier in den Schären sind. Ankerbuchten muss man sich dann schon mal mit ca. 50 anderen Booten teilen und in den Schärenwegen geht es zu, wie zum Feierabendverkehr auf dem Obotritenring, wenn dort zwei Baustellen sind.

Unsere Rückreise erfolgt dann über die Insel Anholt und die Jütländische Küste nach Süden wieder zurück nach Wismar. Da der Wind wieder kräftiger wehte und vor allen Dingen aus der richtigen Richtung, sind wir ein paar Tage früher als geplant wieder im Heimathafen.

09. August 2012, 19.05 Uhr Festmachen an unserem Liegeplatz in Wismar:

Unser Fazit: Es war ein gelungener Erprobungstörn und wir haben ein tolles Schiff. Wir haben viel gelernt, viel Vertrauen in unser Schiff und uns gesammelt. Unsere wichtigste Erkenntnis: Risiken bei der Routenplanung und beim Segeln vermeiden und segeln, wenn der Wind passt.


Hier eine kleine Statistik:
1.584 sm unter Segel, davon 1.359 sm ohne Kreuzkurse

415 sm unter Maschine wg. mangelndem Wind in den Fjorden und auf dem Weg von Olso nach Göteborg

44 Nächte vor Anker, 27 Nächte in Häfen und 8 Übernachtungen an kommunalen bzw. privaten Anlegern

11 Segeltage mit wenig oder keinem Wind und 6 Tage im Hafen oder vor Anker wg. Starkwind oder Sturm
7 Bft. – stärkster gesegelter Wind, 3,5 m höchste Welle beim Segeln,
70 – 75 % Sonnentage

2-3 mal wöchentlich selbstgefangenen Fisch gegessen

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