Westschwedische Schären 2006 und 2007



Der steinige Törn –
mit dem Trailerboot in den Westschwedischen Schären

Die Teenymeisterschaft in unserem Verein ist in den letzten Zügen und wir entscheiden uns kurzfristig doch noch Urlaub zu machen. Gut das es das Internet gibt, dort Fähre nach Göteborg gebucht, den schwedischen Seekartensatz bestellt und eine Woche später ging es los.

Nach genau 24 Stunden Auto- und Fährüberfahrt mit unterwegs schlafen, Boot über die Slip ins Wasser, aufriggen und einräumen, waren wir ablegebereit. Hört sich stressig an, war es aber überhaupt nicht. Zur Müritz ist man länger unterwegs.

Die Westschwedischen Schären begrüßen uns mit blauem Himmel, Sonne pur und Temperaturen fast an die 30 Grad heran. Das bleibt auch die drei Wochen so, wobei zu Hause wohl schon der Herbst beginnen will. Allerdings waren auch bei uns mehr Winter- als Sommersachen an Bord. Umsonst.

Generalkurs: Norden.
Die ersten Tage muss häufig der Jockel ran, da wir den wenigen Wind auch noch auf die Nase bekommen. Erst als wir die Innenschären verlassen, können wir auch gegen den Wind aufkreuzen. Der offene und ungeschützte Skagerrak ist gnädig zu uns und unserem 7m-Schiffchen. Zwischen den Schären und besonders wenn wir in die Nähe der kleinen Städte und Dörfer kommen, pulsiert das Leben – es ist noch Ferienzeit in Schweden. „Staatsferien“, wie man uns sagt, da hat fast ganz Schweden Urlaub.
Wir suchen uns zum Ankern oder besser zum „Schärensprung“ mit Haken und Leinen unsere Schäre. Das ist nie ein Problem. Wir brauchen nur „um die Ecke“ fahren und haben plötzlich die Ruhe, die wir suchen. Jedes Mal sehen die Schären anders aus und die Aussicht von den Schären ist jedes Mal grandioser. Was wir lieben: den Sonnenuntergang von der Schäre beobachtend und sitzend auf dem rauen roten und rundgeschliffenen Granit, der bis tief in die Nacht hinein wunderbar warm ist. Einfach genial!

Auf der Fahrt nach Norden, zwischen den einzelnen Schären, kommen wir uns oftmals wie auf einem Törn in Kroatien vor. Das Licht, die Temperaturen, die steinigen Inseln, da zwingen sich schon Vergleiche auf. Wir sind uns aber einig, dieses Schweden ist schöner, die Leute sind freundlicher und der Wind ist konstanter und vor allen Dingen, wir haben Wind.
Unsere Fahrt führt uns überwiegend entlang der Außenschären, so können wir segeln. Zum abkürzen geht es dann schon mal in das Innerschärenfahrwasser. Für uns kein Problem, da wir uns für die Rücktour mehr Zeit für die Innenschären vornehmen.

Am 5.Tag und gerade mal nach guten 100 sm erreichen wir Norwegen. Gastlandflagge wechseln.
Die Schären sind jetzt anders, mehr bewaldet, nicht mehr so rau und auch, zumindest hier im südlichsten Zipfel Norwegens, mehr bewohnt. Endlich haben wir den Wind aus süd-westlicher Richtung und so können wir auch unter Segel durch die engen Innenschären. Tagesschläge von 20-35 sm machen jetzt richtig Laune.

Wie ist denn das nun mit den vielen Steinchen, die da immer Weg liegen? Naja, auf den GPS kann man ruhig verzichten. Man fährt nach Sicht, die Seekarte ständig im Cockpit unter den Füßen und das Fernglas stets griffbereit. Schwierig wird es, wenn man die sehr gut gekennzeichneten Schärenwege verlassen oder zwischen diesen wechseln möchte. Dann gilt es höchste Aufmerksam walten zu lassen, um die Steine zu finden, die knapp unter der Wasseroberfläche liegen. Besonders schwierig bei ruhiger See, wenn sich die Wasseroberfläche kaum bewegt. Da hilft auch kein Echolot, denn bei einer Tiefenänderung von 40 auf 0,3 m in nur 3 m-Entfernung, weil da mal wieder eine Felswand hoch kommt, bekommt man die Geschwindigkeit nicht aus dem Boot, jedenfalls nicht ohne Schäden am Boot. Diese Stellen sind zwar wunderbar in der Karte eingezeichnet, nur weiß man oft nicht so schnell, ist das nun die Stelle oder die Stelle 30m neben uns. Dazwischen wollten wir aber durch. Unserem Boot ist übrigens nichts passiert.

Wir sind am nördlichsten Punkt (59°02N und 011°06E) unserer kleinen Reise und genießen eine norwegische Sandbucht, sammeln Blaubeeren im Wald und Miesmuscheln von den Felswänden unter Wasser. Uns geht es richtig gut!
Nach einem Tag in dieser Ankerbucht machen wir uns auf den Rückweg. Wir haben aber noch fast zwei Wochen.

Zurück in Schwedischen Gewässern fällt uns sofort die totale Ruhe auf. Die Ferienhäuser sind vernagelt, die Boote überwiegend aus dem Wasser und wo noch vor einer Woche das Leben tobte, sind jetzt alle Geschäfte, Restaurants und Hafenbüros geschlossen. Der schwedische Sommer ist jetzt, in der dritten Augustwoche, vorbei und jetzt kommt das ältere Semester mit ihren Segelyachten aus Norwegen zurück.

Über die westlichste Inselgruppe Schwedens, die Koster-Inseln, geht es weiter nach Süden. Der Wind kommt jetzt meist aus West bis Nord-West und nimmt von Tag zu Tag immer etwas zu. Der Seegang aus dem Skagerrak ist nun deutlich zu spüren, stellt aber für uns noch kein Problem dar. Der sich oft ändernde Strom, den wir die ersten Tage nicht hatten, macht das ohnehin schon interessante Segeln noch spannender.
Jetzt nehmen wir uns viel Zeit für die traumhafte Landschaft, machen lange ausgiebige Schärenspaziergänge und sind von den vielen kleinen Fischerdörfern begeistert. Finden unsere Traumbucht (58°31,8N und 011°14,4E) an der Insel Hamburgö und „ankern“ dort bei glasklarem Wasser auf Kies. Die Wassertemperaturen von 19 °C lassen auch noch Lustbaden und Schnorcheln entlang den Felswänden zu.
Nach einem Faulenzertag geht es weiter bei frischem Westwind und ruppiger See. Gut, wir können natürlich auch den inneren Schärenweg nehmen, genießen aber die Bedingungen, die unser Boot gut meistert.

Wir sind in Gullholmen (58°10,7N und 011°24,3E), einem kleinem Ort mit großer maritimer Geschichte. Nutzen den Hafentag um den Starkwind abzuwettern und natürlich uns für den kleinen Ort zu begeistern. Toller Hafen mit Superanlagen, gutem Supermarkt - direkt im Hafen und geschlossenem Hafenbüro, da ja bereits „Winter“ ist.
Am nächsten Tag segeln wir weiter. Der Wind hat nur etwas nachgelassen, da wir aber ins Landesinnere wollen, um die Insel Orust zu runden, stört es uns nicht. Bei achterlichem Wind von 5-6 Windstärken, nur mit der Genua und fast 3 Knoten Strom von vorn, ist es schon ein seltsames Segeln. Das alles bei einem engen Fahrwasser von nur teilweise 30 m.
Die Insel Orust ist riesig. Wir benötigen auch fast drei Tage für die Umrundung und sind hier in einer anderen Landschaft. Tiefe Wälder laden zum Pilze suchen ein. Wir haben in nur einer halben Stunde unseren 10l-Eimer mit den besten Steinpilzen voll. Nackte Felsen gibt es hier nicht mehr. Dafür stehen im südlichen Teil viele große Ferienhäuser. Die Umrundung der Insel Orust ist ein kompletter Binnentörn und könnte allein mit seinen vielen Verzweigungen für einen Urlaub mit Jollenkreuzer reichen.

Wir erreichen wieder die kargen Außenschären und der Wind weht am Abend immer noch mit 4 Windstärken. Hier machen wir die Erfahrungen, dass man unbedingt noch bei ausreichendem Tageslicht mit der Suche nach einer geschützten Ankerbucht beginnen sollte. Der erste und zweite Versuch scheitert, um dann bei Dunkelheit einen Weg zwischen den Steinen in eine sichere Ankerbucht zu finden. Heckanker hält auf dem steinigen Grund so leidlich und zur Sicherheit ziehen wir noch eine zusätzliche Leine zum Schärenhaken. Dann ist es aber auch schon richtig dunkel.
Die Nacht wird unruhig und lässt uns erahnen, was uns der nächste Tag bringen wird.
Es geht los. Wir versuchen erst in den Außenschärenweg zu kommen, brechen das Vorhaben aber bereits nach kurzer Zeit ab, denn die See ist zwischen den Felsen so chaotisch, dass wir schnell in den vermeintlich sicheren Innenschärenweg wollen. Hier ist es auch anfangs deutlich ruhiger. Allerdings wundern wir uns schon, warum so viele Schweden mit ihren viel größeren Yachten an diesem Tag hinter den geschützten Schären bleiben und die Sonne genießen.
Die Antwort bekommen wir dann bald, als wir am Rande des Marstrandsfjorden sind, um die knapp 2 sm nach Westen offene See überqueren zu wollen. Der Wind bringt die gut 1,5 m hohe Wellen leider nicht gleichmäßig in die Bucht und so wird die Überfahrt zu einem „Bullenritt“. Wir machen in Marstrand eine Pause und nehmen dann den zweiten Tagesabschnitt in Angriff. Eigentlich mit der Meinung, dass dieses Stück etwas geschützter ist. Leider aber nur unwesentlich und dabei legt der Wind nochmals ein bis zwei Kohlen rauf. Solche Wellen haben wir unserem Schiffchen bisher noch nicht zugemutet. War für uns und „Farfalino“ eine Grenzerfahrung und müssen wir nicht nochmals haben. Abgesehen von mehreren weggeflogenen Liekrutschern blieb aber alles heil. Leider konnten wir wegen den Dauersalzwasserduschen nicht mehr fotografieren. Schade.

Der letzte Hafen vor Göteborg war wieder unser Lieblingshafen Rörö (57°46,2 N und 011°37,1E). Obwohl Schwedens zweitgrößte Stadt, Göteborg, nur noch ca. 13 sm entfernt ist, herrscht hier eine einmalige Ruhe. Wir genießen den sicheren Hafen und hören das Poltern der anlaufenden See auf der anderen Seite der Insel.
Der nächste Morgen und unser letzter Tag auf See, ist wieder bei bestem Sonnenschein, wie auch die letzten Tage, aber nur noch mit sehr moderatem Wind. Aha, denken wir, wir sollen die Westschwedischen Schären mit einer guten Erinnerung verlassen.

Das machen wir aber auch so. Am Abend steht „Farfalino“ nach 277 sm bereits wieder auf dem Trailer und am nächsten Morgen geht um 10.00 Uhr unsere Fähre ab Göteborg.
Pünktlich sind wir am gleichen Abend zur Party der Holzbootregatta wieder in Schwerin.
Sind die Schären also doch ein Supersegelrevier vor unserer Haustür?

Für uns aber stehen zwei Sachen fest: 1. Das war unser schönster Segelurlaub, da kommt Mallorca, Menorca, Kroatien und alles was wir bisher gemacht haben nicht heran und
2. Nächstes Jahr wieder: Westschwedische Schären

PS:
Der Törn ein Jahr später war wegen Wetter und deutlich mehr Wind ein vollkommen anderer Törn. Unser Schiff war einfach für diese Bedingungen zu klein.