Aktuelles

Unser Standort bei Marine Traffic

Samstag, 3. September 2016 - 15:39 Uhr
Alles doch nicht so schlimm gekommen

Wenn einem das erste Mal so ein Windungeheuer entgegenkommt, bekommt man schon ein mulmiges Gefühl. Wenn dann noch alle Fischer ihre Schiffe aus dem Wasser nehmen und der kleine Fischereihafen verweist ist, wird man nachdenklich.

Wir haben vom Hafenmeister einen sicheren Platz im hinteren Teil der Marina zugewiesen bekommen und uns gut eingespannt. Nicht ganz so wie ein Franzose, der dank zweier riesiger Leinentrommeln auf dem Vorschiff, zwei zusätzliche Leinen quer durch das Hafenbecken über andere Boote hinweg gespannt hat. Na ja.

Dann ging gestern alles so los wie vorhergesagt. Punkt 16 Uhr blies es mit 5-6 Windstärken aus südlichen Richtungen. Gegen 2 Uhr sollten wir mit 45 Knoten den Höhepunkt erreichen. Die Freitagsfähren fielen alle aus. Die letzten Locals schauten nochmals kurz nach ihren Freizeitbooten in der Marine und dann .....? Nichts mehr. Das war´s dann auch schon für uns.

Der Wind kam entlang der hohen Felswand in die Marina und wurde wohl dabei abgebremst. Die größte Windbremse für uns war aber die Insel Pico mit ihrem mächtigen Vulkan. Die Insel verhinderte auch, dass sich auf den 10 Seemeilen zwischen unseren Inseln eine größere Welle aufbauen konnte. Damit plätscherten nur leichte Wellen in unseren Hafen.

Kurz vor Mitternacht drehte dann der Wind auf West und stand somit direkt auf unseren Hafen. Die kritischste Zeit begann. Aber zu unserer Überraschung hatten wir plötzlich fast keinen Wind mehr. Unser Schiff schaukelte nicht mehr und die Windgeräusche im Rigg waren plötzlich weg. Die Windanzeige pendelte zwischen 1 bis 9 Knoten. Die neue Molenverlängerung verhinderte erfolgreich, dass der große Schwell ins Hafenbecken kam. Erstaunt schauten wir nach der Ursache. Es lag wohl daran, dass die neue Marina genau vor einer hohen Felswand gebaut wurde und der Wind nahezu im rechten Winkel auf diese traf und wir somit im kräftigen Staudruck liegen. Prima, denn so hatten wir eine ruhige Nacht, ohne Böen, knarzende Leinen und quietschenden Fendern. Man muss einfach auch mal Glück haben.

Ganz anders erging es uns Freunden von der TinLizzy in dem 20 Meilen entfernten Horta. Dort blies es mit den angesagten 45 Knoten und im Hafen stand ein gewaltiger Schwell. Aber auch dort ist alles heil geblieben.

Bild: Unsere Marina vor der Felswand

Dienstag, 30. August 2016 - 18:24 Uhr
"Gaston" kommt!

Der Hurrikan "Gaston" kommt schneller und hält auf die Azoren zu.

Nach den letzten Vorhersagen wird der Hurrikan schon am frühen Freitag morgen die westlichen Azoreninsel Flores und Corvo erreichen. Dort wird er mit 70-80 Knoten (ca. 148 km/h) ankommen und uns erreicht er dann am Sonnabend früh. Auf den letzten Meilen soll er seine Kraft deutlich verlieren und nur noch mit guten 40 Knoten bei uns ankommen. Das würde gehen, wenn nicht die Wellen wären.

Hoffentlich hält sich "Gaston" an die Vorgaben der Wetterfrösche.

Bild: Vorhersage am Freitag um 12.00 Uhr

Montag, 29. August 2016 - 21:55 Uhr
Fajãs, Käse, Auto, Manta und ..... und Hurrikan

Gestern, absolut kein Wind und damit eine schöne Gelegenheit mit unserem Schiff einmal die Südküste der Insel entlang zu fahren und die Angel reinzuhalten. Abends dann wieder zurück zu unserem Hafen.

Wir haben schon immer einmal geschaut, wo die vielen Angler hinfahren. Nach drei Meilen stoppen wir auf und die Angel geht bei einer Wassertiefe von 100 m rein. Wir sind aber noch sehr dicht an der Steilküste. Da plötzlich, kommt ein großer dunkler Schatten aus der Tiefe herauf. Sieben Meter neben uns taucht ein riesiger Manta auf. Ganz langsam "wedelt" er mit seinen beiden seitlichen Flossen und "schwebt" so an die Wasseroberfläche. Eine Flossenspitze kommt dabei heraus, als ob er uns Hallo sagen möchte. Dann gleitet er noch ein kleine Weile knapp unter der Wasseroberfläche und verschwindet wieder in der Tiefe des Atlantiks. Gänsehaut pur. Wir schätzen seine Spannweite auf mindestens 2,5 m. So etwas haben wir bisher noch nie gesehen.

Nach einiger Zeit haben wir eine Stelle gefunden, wo es an unserer Angel zuppelt. Wir sehen die Angelboote weit draußen, sicher 6-8 Meilen, auf der offenen See. Ok, die sind auf Großfischfang. Was sollen wir mit Großfischen? Der erste Grey Tigerfish ist an der Angel. Wir finden den englischen Namen viel besser als den deutschen: "Schweinedrückerfisch". Ein sehr guter Speisefisch, der echt einfach beißt. Den dritten von dieser Sorte, immerhin gute 60 cm, holen wir aus einer Tiefe von 80 m.

Eigentlich reicht der Fisch für uns, mich hat aber das Jagdfieber gepackt. Pilker wieder rein, wir sind auf fast 100 m und da gibt es einen Hieb. Mir reißt es die Angel fast aus der Hand. Zum Glück war die Bremse nicht ganz fest und schon surrt die abgehende Angelschnur. Wenn ich kurz anziehen will, bekomme ich die Antwort prompt mit einem noch kräftigeren Ruck meines Gegners. Ich lasse ihm weiter Schnur und denke dabei mit Sorge, dass ich hier nicht mit unserer stärksten Rute, Schnur usw. angle. Die steht im Rutenhalter am Heck. Toll. Eine kurze Ruhe an der Angelschnur verführt mich, die Schnur ein wenig einholen zu wollen. Wieder ein gewaltiger Ruck und das war´s. Die geflochtene Schnur, 35 kg soll sie halten, ist gerissen. Bye, bye Fischchen. Dieses Mal hast du gewonnen.

Als ob ich einen Trost brauche, schwimmt eine kleine Delphinschule an uns vorbei. Schnell die Sachen aus und vorsichtig ins Wasser. Mein größter Traum: einmal mit Delphinen auf dem offenen Meer schwimmen. Sie sind aber schon dreißig Meter weg und bekommen meinen Besuch in ihrer Welt nicht mehr mit. Schade, dann das nächste Mal.

Wir haben uns ein Auto gekauft. Also früher war das wohl mal ein Auto, aber jetzt fährt es nur noch und mehr wollen wir nicht. Mit seinen 174 Tkm hat es aber noch einen nagelneuen TÜV für zwei Jahre bekommen. Bestimmt weil der Vorbesitzer Marco Polizist ist, aber gut, wollen wir mal nichts Schlechtes in die Welt setzen.
Mit dem Auto sind wir jetzt nun endlich beweglich und mit unserem Schiffshund können wir so zu jeder Zeit in alle Ecken der schönen Insel fahren. Besonders haben es uns die vielen Fajãs angetan. 48 soll es davon auf der Insel geben. Die Fajãs sind die Attraktionen der Insel São Gorge. Kurz erklärt: eine Fajã ist ein kleine flache Landzunge mit fruchtbarem Boden an den steilen Hängen der Insel. Sie haben sich durch Abbrüche, Auswaschungen und durch Erosion über hunderte von Jahren gebildet. Auf diesen Landzungen begann im 16. Jahrhundert die Besiedlung der Insel und erst über die Jahrhunderte ist es den Menschen gelungen, Trampelpfade, Wege und Straßen die steilen Hänge nach oben zu bauen. Heute sind noch immer zwei Fajãs nur zu Fuß oder mit dem Lastenpferd zu erreichen. Einige Fajãs sind aber auch aufgegeben und der Natur wieder übergeben worden. Heute sind die Fajãs beliebte Feriensiedlungen. Die meisten haben aber ihren Charakter erhalten können und sind nun begehrte Ziele der Wanderer aus aller Welt. Allerdings muss man bei einigen Wanderungen auch gut trainiert sein.

Das Hochland der Insel ist geprägt von sattem Grün der Rinderweiden, den sanften Hügeln und .... mehr haben wir noch nicht sehen können. Das restliche Hochland hat sich bisher für uns in Wolken gehüllt. Immer wenn wir meinten: "heute haben wir Glück", sehen wir, wenn wir oben sind, dass die höchsten Berge von Wolken verhüllt sind. Aber wir haben ja Zeit, viel Zeit.
Auf diesen Weiden grasen Unmengen von Rindern. Die meisten davon sind Holsteiner Milchkühe. Aus dieser Milch, von diesen Kühen, von diesen Weiden wird wohl einer der besten Käse der Welt produziert. Er wird in die USA, Canada und auf das portugiesische Festland exportiert. Für mehr reicht die Kapazität dieser kleinen Insel nicht. Die beste 1a- Qualität bekommt man leider auch hier nicht zu kaufen. Wir finden aber schon allein die 1b- und 2er-Qualität vorzüglich. Kurios ist, dass Milchprodukte, wie Butter, Joghurt, Trinkmilch usw. von den anderen Inseln importiert werden muss, weil die hiesige Milch "zu kostbar" für diese "Nebensächlichkeiten" ist. Alles klar, warum Jão Jorge auch als die "Insel des Käses" bezeichnet wird?

Der Sommer neigt sich langsam zum Ende und somit beginnt nun im westlichen Atlantik die Hurrikanzeit. Die Entstehung des ersten Hurrikans der Saison haben einige Segler über Facebook mitbekommen. Wir auch. Die normale Zugrichtung wäre nun Richtung Amerika. Was aber macht dieses doofe Teil? Seit zwei Tagen ist klar: Das Monster, zur Zeit mit 100 bis 120 Knoten (222 km/h !) Windgeschwindigkeit unterwegs, hält sich nicht an die Regel und hat eine nordöstliche Richtung eingeschlagen. Nach den letzten Schätzungen des amerikanischen Wetterdienstes soll er am kommenden Sonnabend knapp nördlich der Azoren vorbeigehen. Aber was heißt "knapp vorbeigehen"? Zum Glück soll er sich abschwächen und "nur noch 75 Knoten" (139 km/h) haben.
Alle Segler starren gespannt auf die Wetterkarten. Noch ist alles möglich, dass er seine Richtung ändert, abdreht oder .... Nein, daran denken wir noch nicht heute.
Unser Hafen bekommt eine längere Mole. Vor drei Wochen hat man hier normal gearbeitet. Nun stehen die LKW mit den Steinen in einer langen Reihe und die Bagger drehen sich bis spät in die Nacht hinein. Die Bauleitung fürchtet wohl um ihre Arbeit, wenn die hohen Wellen auf einen nicht fertigen Molenbau treffen.

Foto: Hügel und Weiden auf São Jorge

Sonntag, 21. August 2016 - 16:46 Uhr
São Jorge - Die Käseinsel

Wir sitzen gestern Abend gg. 23.00 Uhr im Cockpit unseres Schiffes und warten auf die abendliche Kühle, die sich aber leider nicht einstellen will. Im Salon haben wir noch über 30 Grad bei einer Luftfeuchtigkeit von über 70 %. Der leichte SW-Wind schaufelt seit Tagen diese unangenehme Schwüle heran.
Dann schwappert schöne Livemusik vom Marktplatz der Stadt herüber. Eigentlich wollten wir ins Bett, aber da wir bei diesen Temperaturen eh nicht schlafen können, gehen wir mal schauen.

Vor der kleinen Kirche hat eine kleine Band ihr Equipment aufgebaut und macht richtig schöne portugiesische Musik. Rundherum stehen so um 200 Leute und schauen sich das an. Das zurückhaltende Inseltemperament lässt nur eine leichtes Schunkeln oder Wippen mit den Schultern zu. Obwohl rund um den Kirchenplatz mehrere Restaurant und Bars sind, hat fast niemand von den Insulanern irgend ein alkoholische Getränk in der Hand. Die, die eins haben, kann man schnell als Tourist ausmachen.
Da bewegt sich das erste Pärchen in die Mitte des kleines Platzes und tanzt. Wenige Minuten später tanzen wir auch. Ich mit Flipflops auf ziemlich unebenen Pflaster. Eine schöne Stimmung, auch wenn wir nichts von dem verstehen, was die Einheimischen mitsingen. Überall glückliche Gesichter, hier fühlen wir uns wohl, sehr wohl!

Wir haben uns verliebt! Richtig doll verliebt. Diese Insel mit ihren Fajas, ihren schroffen steilen Felsen, den kleinen Dörfern und hohen grünen Bergkämmen entlang der langgezogenen Insel hat es uns angetan. Dazu der immer vorhandende Blick auf den blauen Atlantik und natürlich der nicht zu übersehende Pico mit seinen über 2000 m auf der Nachbarinsel.

Wir hatten großes Glück, dass wir noch ein Leihauto bekommen haben. Die Vermieter sprechen davon, dass in diesem Jahr wohl mehr als doppelt so viele Gäste auf der Insel sind als in den letzten Jahren. Es boomt, nur wir sehen fast nichts davon. Es ist eben alles relativ. Allerdings hören wir auch, dass seit Wochen keine Unterkünfte auf der Insel mehr zu mieten sind. Alles ausgebucht. Es gibt hier auch nur ein kleines Dreisternehotel und sonst nur Privatunterkünfte. Hoffentlich bleibt das so.
In unserem Reiseführer lesen wir, dass für ein Kennenlernen der Insel ein Tag mit Auto reicht. Wir hatten es drei Tage und haben nicht einmal die Hälfte der Insel gesehen und dazu mussten wir leider das Hochland nahezu auslassen, da der langgezogene Hochlandkamm fast immer in den Wolken steckte.

Wir haben tolle Menschen kennengelernt. So stehen wir an einer kleinen Bar zum Kaffeetrinken an einer der schönen Naturbadestellen und kommen mit Nuno ins Gespräch. Er war Banker in Porto und hat sich hier auf die Insel zurückgezogen. Am nächsten Tag lernen wir den Architekten Philip und einen Tag später den Immobilienmakler Lino kennen. Sie zeigen uns besondere Ecken im schönsten Teil der Insel. Wieder an einer Bar zum Kaffeetrinken lernen wir den Polizisten Marco kennen. Wir suchen ein altes Auto zu kaufen und er hat eins.

Und warum ist nun São Jorge die Insel des Käses? Das habe ich vergessen zu schreiben. Und was ist eine Faja? Das alles dann im nächsten Bericht.

Erste Fotos von São Jorge und auch noch vom Stierkampf am Strand findest du in der Bildergalerie. (Einfach auf die Überschrift klicken und nach unter scrollen.)

Donnerstag, 18. August 2016 - 16:16 Uhr
Unsere Anni ist da!

Heute ist unse Anni schon zwei Tage alt!
Wir freuen uns riesig und sind überglücklich über unser zweites Enkelkind.

Da ist ein Wunschkind auf die Welt gekommen. Wir wünschen unserem Sohn Sebastian und unserer Schwiegertochter Jenny alles alles Gute und viele glückliche Stunden mit ihrem Töchterchen.

Leider müssen wir noch etwas warten, bis wir Anni und unsere Kinder in die Arme schließen können. Das ist eben auch der Preis für das Langfahrtsegeln.

Freitag, 12. August 2016 - 00:33 Uhr
Einen Segeltag, den man nicht haben muss

Wir freuen uns auf das Segeln. Endlich mal wieder raus auf die See und segeln. Das frühe Aufstehen sind wir gar nicht mehr gewöhnt. Schönes Wetter und die Wettergötter haben 4 Windstärken aus NO angesagt. Perfekt, so die Theorie und dann sollten die 64 Meilen bis nach Velas auf São Jorge ein Klacks sein.

Wir segeln um die SO-Ecke von Terceira in der Hoffnung, dass sich dann die See etwas beruhigen wird und die Wellen ein vernünftiges Segeln zulassen. Angra zieht an der Steuerbordseite langsam entlang und der Wind wird mau. Wir kommen leider doch in die Abdeckung der hohen Berge. Ich hatte gedacht, dass die acht Meilen Abstand zur Küste reichen.

Es wird Mittag und wir haben gerademal 20 Meilen geschafft. Wir haben noch zwei Windstärken und einen Gegenstrom von 1,3 Knoten. Na toll! Angel raus und mal sehen ob was beißen will. Will aber nicht.
Wir sollten uns auf eine Ankunft im Dunkeln einstellen. Die Sonne brennt uns auf den Köpfen. Wir spannen das Sonnensegel auf, was ich extra für Chica genäht habe. Zur Not spendet das auch uns ein bisschen Schatten.

Da, am nördlichen Horizont ein Windstreifen. Oh, sogar mit Schaumkämmen. Schnell die Angeln rein und da sind die ersten Böen bereits. Endlich! Innerhalb von 3 Minuten haben wir von NICHTS gleich 21 Knoten Wind. Prima. Geht gerade so noch mit der Genua.
Die Insel São Jorge fliegt uns nun fast entgegen. Ich überlege noch, ob wir auf der NO-Seite der Insel weitersegeln und im frischen Wind bleiben oder auf die andere Seite gehen und damit die letzten 15 Meilen in der Abdeckung der Insel motoren. Wir entscheiden uns für die kürzere Strecke und für das Motoren.

Vor uns sehe ich, wie die See ruhiger wird und gleich darauf Fallböen auf das Wasser aufschlagen. Die Genua steht noch, aber die sollte ich jetzt wohl einrollen, denke ich gerade noch und da steht sie auch schon back um gleich darauf sich um das Fockstag zu wickeln. (Wir fahren ein Semikutterrigg, also zwei Vorstage.) Die Genua lässt sich so nicht mehr einrollen. Das Groß steht back, aber die Baumbremse hält, noch. Motor an! Äh, nix ist mit Motor an! Kein Strom auf dem Motorpanel, kein klicken des Anlassers. Nichts mehr. Ups, so etwas hatten wir ja noch nie. Gerade jetzt. Da knallt es und das Tau der Baumbremse ist gerissen. Da haben wir wohl an der Algarve irgend ein Plunder gekauft. So, nun mal Ruhe an Bord und mit dem Groß in den Wind stellen. Bei diesem Hin-und-Her hat sich der Tüddelkram an der Genua von selbst wieder aufgelöst und so können wir wenigsten die Genua einrollen. Das Ding muss ich mir aber ankreiden. Einfach zu lange mit dem Einrollen der Genua gewartet.

Ab in den Motorraum und nach dem Fehler gesucht. Gut, dass ich die Motorelektrik vor unserer Abreise komplett erneuert habe und ich somit genau weiß, wo ich suchen muss. Eine 20A-Sicherung, die ich vor dem Anlasserrelais eingebaut habe, ist durchgebrannt. Das macht sie eigentlich nur, wenn das Einrückrelais ein Problem hat und das will wirklich nicht mehr. Irgendwann mal habe ich gelesen, dass da ein Hammer helfen kann. Also, mit einem sanftem Hammerschlag beim Anlasser angeklopft und tatsächlich, der Motor springt wieder an.

Irgendwie verrückt, drei Dinge auf einem Mal. Aber dieses Mal stimmt das nicht mit den "alle guten Dinge sind drei". Nach einer Stunde bellt Chica plötzlich. Das hat sie auf See noch nie gemacht und plötzlich nimmt unsere Bootsgeschwindigkeit auch rapide ab. Statt 5 Knoten nur noch 1,5. Ein Blick nach Achtern zeigt mir die Ursache. Wir haben uns ein Fischernetz eingefangen und ziehen es hinter uns her. Oh, bloß schnell den Gang raus. Wir stehen und da verschwindet auch schon die Fischerboje in der Dunkelheit. Da haben wir aber Glück gehabt, dass sie nicht in die Schraube kam.

Der kleine Hafen von Velas ist voll und wir ankern in der Bucht vor dem Hafen. Es wird eine unruhige Nacht, da der Wind ständig vor der hohen Felswand dreht und unser Schiff mit dreht. Die Ankerkette schleift dabei über irgend einen großen Stein. Das kann ja alles nur besser werden.

Foto: Insel São Jorge

Dienstag, 9. August 2016 - 00:35 Uhr
Insel der Feste - Terceira

Nach einer Woche in Angra haben wir uns wieder zurück nach Praia da Vitória verholt. Der Grund ist das größte jährliche Fest der Azoren: "Festas de Praia". Die erste Hälfte haben wir bewusst verstreichen lassen und tun uns nur die zweite Wochenhälfte an.

Wir ankern mit weiteren neun Schiffen vor der Marina, da diese natürlich voll ist. Mehrere große Festzelte prägen das Hafenbild, ein Zirkus und drei Bühnen finden wir. Die Stadt hat ihr Sonntagskleid angelegt, die Hauptstraßen sind prachtvoll geschmückt und entlang der Paradestrecke ist ein kilometerlanger roter Teppich ausgelegt.
Ab mittags füllen sich die Straßen, aber die täglichen Höhepunkte sind die stundenlangen Paraden am späten Abend, die meist erst nach Mitternacht enden. Hier paradieren jeden Abend hunderte Azoreaner an tausenden Schaulustigen vorbei. Immer zu einem anderem Thema, alles sehr ausgelassen und farbenfroh. Selbst eine Kinderparade hat seinen Platz um diese Zeit gefunden. Wir haben davon gelesen, dass die Azoreaner für ihr Leben gern paradieren, aber nun verstehen wir das.

Natürlich gibt es auch duzende Fress- und Saufbuden, dass kennen wir ja auch von Deutschland. Der große Unterschied ist aber, dass wir die ganzen Tage und Nächte nicht einen Betrunkenen und/oder Rumkrakeelenden gesehen haben. Man sitzt mit Freunden auf der Straße und feiert einfach. Allerdings heißt das nicht, dass es leise war. Nein, im Gegenteil. Wenn die Paraden vorbei waren, dann ging es auf den Bühnen erst richtig los. Dann hämmerten die Bässe die ganze Nacht durch die Stadt und über die Bucht. Bumm, bumm, bumm, bis in unsere Koje rein und bis die Sonne wieder aufging. Schlafen ist in dieser Zeit ein Luxus.

Ein Höhepunkte war der gestrige Stierkampf am Strand. Keine Sorge, die Stierkämpfe in Portugal sind schon seit vielen Jahren vollkommen unblutig und die Stiere werden nach getaner Arbeit wieder auf ihre Koppeln entlassen. Auf jeden Fall ist es eine große Volksbelustigung, wenn der Stier die Halbstarken über den Strand und ins Wasser jagt.

Morgen früh wollen wir nach São Jorge, der nächsten Insel der Zentralgruppe.

Foto: Stierkampf am Strand (In den nächsten Tagen gibt es davon mehr Bilder)

Montag, 1. August 2016 - 20:46 Uhr
Auf der Insel Terceira

Heute hat der August begonnen und seit mehr als einer Woche sind wir schon auf der Insel Terceira.
Hier auf den Azoren ist natürlich auch Haupturlaubszeit. Viele Touristen füllen die Straßen und Restaurants. Alles voll, aber nicht überfüllt. Möchte man abends in eine Bar oder ein Restaurant, dann findet man auch meist noch ein Platz. Irgend wie angenehm.

Unser Wetter ist hochsommerlich. Wir hätten nicht gedacht, dass es auf einer Insel in mitten des Atlantiks solch ein Wetter herrschen kann. Seit Wochen haben wir 25-27° am Tage und 22 in der Nacht. Die Luftfeuchtigkeit ist zwar immer noch sehr hoch, aber mit 60-70% gerade so erträglich. Wir wissen nicht mehr, wann es das letzte Mal geregnet hat.

"Schlauchen" ist unser neues Wort. Also, nicht dass du denkst, dass unsere Bordkasse uns dazu zwingt. Nein, wir meinen die andere Form von "duschen". Zum Beispiel: ´Ich geh dann mal "schlauchen" ´. Dazu gehen wir unter den Schlauch auf dem Steg. Sehr angenehm und meist eine schöne Abkühlung, obwohl das Wasser hier nie richtig kalt aus dem Schlauch kommt.

Letzte Woche wollte ich unser Leihauto am Flughafen der Insel abholen. Ulrike hat es, wie immer, übers Internet bestellt. Nur, leider hat die hübsche junge Portugiesin unseren Namen nicht auf ihrer Liste gefunden. Nach minutenlanger Suche dann endlich die Lösung. Meine liebe Frau hat sich in der Kalenderwoche geirrt. Eine Woche später könnte ich dann das Auto haben, so wie bestellt. So ist es, wenn man so langsam aus der Zeit fällt.

Nach dem wir die ersten Tage in einer großen und geschützten Bucht vor Praia da Vitória ankerten, liegen wir seit einigen Tagen im Hafen von Angra do Heroísmo. Der Stadtkern von Angra gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist wunderschön. Ganze Straßenzüge und viele Plätze sind vollständig nach historischen Vorbild restauriert worden.
Die kleine Bucht von Angra war viele Jahrhunderte lang der einzige Hafen für Segelschiffe um sich neu zu verproviantieren, wenn sie den Atlantik von West nach Oste überquerten. Natürlich war damit Angra auch eine Spielball der damaligen Weltmächte und ein begehrtes Ziel der Piraten. Heute zeugen noch die gewaltigen Wehranlagen an beiden Seiten der Stadt von dieser Zeit. In der Bucht liegen viele historische Wracks und damit darf in großen Teilen der Bucht nicht geankert werden.

Angra hat aber auch einen überaus freundlichen Yamaha-Händler. Der hat sich unseren gekenterten Außenborder vorgenommen. Der läuft wieder, sogar besser als vorher. "War nicht viel, ist ein guter Motor", sagt der alte Meister und will für seine Arbeit 29 Euro (in Worten: neunundzwanzig!). Für den Preis hat uns dann noch der Meister mit Motor in die Marina gefahren. Portugiesische Freundlichkeit.

Foto: Blick vom Monte Brazil auf die Stadt Angra de Heroísmo

Neuere Beiträge  Ältere Beiträge

Anmelden